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Omas gegen Rechts e.V. trauern um Mitbegründerin Dr. Hellena Horst

    Mit Trauer und Dankbarkeit verabschieden sich die Omas gegen Rechts Erfurt e.V. von ihrer Mitbegründerin Dr. Hellena Horst, die nach langer, schwerer Krankheit am 20. April verstorben ist.

    Hellena gehörte zum Kreis der engagierten und mutigen Frauen, die 2020 die Gruppe der OGR Erfurt ins Leben gerufen und zu einer wichtigen und respektierten politischen Stimme im Einsatz gegen den Rechtsextremismus geformt haben. Ihr besonderer Verdienst und ihr bleibendes Erbe sind der Gedenkort zur Erfurter Bücherverbrennung 1933 und die darauf aufbauende Reihe „Bücher aus dem Feuer“, die gerade wieder neu gestartet ist.

    Hellena musste sich wegen ihrer Erkrankung schon längere Zeit aus der vorderen Reihe der OGR zurückziehen – und doch blieb sie eine Triebfeder und leidenschaftliche Antifaschistin, die ihre Überzeugungen stets mit Nachdruck und Herzblut vertrat. „Hellena war streitbar und hat es uns im positiven Sinne nicht immer einfach gemacht. Aber gerade deshalb war sie stets ein unverzichtbarer Teil unserer Oma-Gemeinschaft. Wir werden ihren Einsatz und ihre Leistungen nie vergessen,“ so die Sprecherin der OGR Erfurt e.V., Edeltraud Kotzanek.

    Hellena wurde 1952 in Jena geboren. Sie studierte dort das Fach Psychologie, in dem sie später auch promovierte. Rund 20 Jahre Tätigkeit im Strafvollzug prägten ihren beruflichen Weg nachhaltig – eine Zeit, in der sie nicht zuletzt mit vielen straffällig gewordenen jungen Menschen und Neonazis in Kontakt kam. Diese Erfahrungen und ihr politisches Bewusstsein wurden zu wichtigen Wegmarken für ihren entschiedenen Einsatz gegen jede Form des Wiedererstarkens des Nationalsozialismus.

    Der Anstoß zur Gründung einer Initiative für den Gedenkort Bücherverbrennung kam 2020 durch eine Begegnung mit dem Journalisten Jan Schenck und seinem Projekt Online-Atlas „Verbrannte Orte“. „Wir waren überrascht, dass es auch in Erfurt einen solchen Ort gab, und haben damals eine Gruppe gebildet, die sich im Stadtrat und in der Öffentlichkeit für einen Gedenkort eingesetzt hat,“ erinnert sich Mitbegründerin Gabriele. Am 29. Juni 2020 fand im EGA-Park die erste Lesung der OGR aus Werken der von den Nationalsozialisten verfolgten Autorinnen und Autoren statt. „Hellena ist es zu verdanken, dass dieses Erinnern bis heute so lebendig ist – dass sich Schülerinnen und Schüler und immer mehr Einrichtungen und Menschen daran beteiligen. Dafür sind wir von Herzen dankbar,“ so der OGR-Sprecher Bernhard Wanner.